|
Nine Inch
Nails
Things
Falling Apart
Interscope/Motor
Neuigkeiten aus Trents Nagelstudio: Die Nine Inch Nails manipulieren an
sich selbst herum.
So richtig fassen konnte es
eigentlich niemand. Doch die Fakten sprachen eine eindeutige Sprache: Die Nine
Inch Nails waren mit ihrem Album The Fragile in der Tat von 0 auf Platz 1 der
Billboard-Charts marschiert. Trent Reznor zeigte sich „geschockt“, seine Fans
kamen ins Grübeln: Waren das noch ihre Nine Inch Nails? Die Angst ging um, dass
die exklusive Nische für Sinnsucher mit Kunstanspruch plötzlich, unerwartet und
final von der unbedarften Masse in Beschlag genommen worden war. Ein hartes
Los. Es bestand also Handlungsbedarf. Mit Things Falling Apart rückt Trent
Reznor die Dinge wieder gerade. Eher nimmt Blümchen eine Grindcore-Platte auf,
als dass dieses akustische Gemetzel irgendwo in der Welt auf Platz Nummer 1
landet. Mit Wollust haben Reznor und Kollegen einige ausgewählte Songs von The
Fragile so weit in Grund und Boden dekonstruiert, dass zumeist nichts als
Bruchstücke übrig blieben. Dass das alles ganz schön anstrengend ist, dürfte
der Meister als Kompliment auffassen. Doch leider Gottes klingt Things Falling
Apart auch reichlich angestrengt. Geradezu penetrant heischt dieses Gefiepe und
Gedröhne nach schillerndem Bedeutungsmehrwert: Höret her, wir nahmen auf die
ästhetischen Zeugnisse einer postmodern verwirrten Großstadt-Seele! Das haben
andere Bands mit weniger „Holla, jetzt kommt Kunst“ -Pathos schon viel besser
hinbekommen; die nannten ihre Werke freilich auch Remixe und nicht „
Manipulations‘. Das einzig Positive am neuen Reznor Werk: die kongenial
unterkühlte Coverversion von Gary Numans
’Metal’. Der Rest nervt in einem ähnlich großen Maße wie der Aktionismus
von Reznors Subversöhnchen Marilyn Manson.
Marcus Bäcker
|