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Nine Inch Nails
The Downward Spiral
[Intro, 04.06.94]
Nach den letzten Werken, bei denen Reznor sich von mal zu mal
mehr Mühe gegeben hatte, sich nicht allzu leicht verdaulich zu geben, war der
weitere Weg NINs ungewiß. Wie weit würde er gehen, um seine Stücke selber zu
zerstören? Zu Beginn des Albums scheint alles beim Alten: überdrehte Gitarren
und ein Industrial-Rhythmus im Stile von 'Wish' empfangen den Hörer am Tor zu
Reznors Welt. Aber schon der Wechsel zu 'Piggy' (welches dank der latenten, aber
ständig präsenten Agression das Zeug zur Amok-Läufer-Hymne hat) macht
mißtrauisch und vorsichtig, an jeder Ecke lauert lärmende Gewalt, jederzeit
besteht die Möglichkeit, daß Reznor einen mit seinen Haßtiraden überfällt. Und
so kämpft und tastet man sich den Weg durch unbekanntes und oft auch unbequemes
Gebiet, bekommt Reznors Ansichten zu Religion, ein völlig verzerrtes
Blues-Gitarren-Solo oder das eine oder andere derbe Gitarrenriff um die Ohren
geschlagen. Stück für Stück nähert man sich so 'A Warm Place', dem einzigen
Ruhepunkt - leider unmöglich zu genießen, daß einem hier keiner der Reznor´schen
Angriffe aufs Nervenkostüm bevorsteht scheint einfach zu unwahrscheinlich. Der
richtige Hammer kommt allerdings erst mit dem Titelstück: Reznors irrsinnige
Untermalung der Schilderung eines Selbstmordes, unbeschreiblich
niederschmetternd und beklemmend - Horror für die Ohren. Unmöglich sich danach
noch dem schrecklich-schönen 'Hurt' hinzugeben: durch den Wolf gedreht wartet
man auf den Gnadenstoß, aber Reznor läßt einen einfach mit den letzten Tönen
liegen, nimmt einem selbst die Kraft einfach abzuschalten.