NIN-PAGES

Interviews

Album

Live

Übersicht

 

Downward Spiral

 

 

 

 

Spex

 

April 1994

 

 

Autor: Mark Sikora

 

 

NINE INCH NAILS

The Downward Spiral

BMG Ariola

“I want to know everything, I want to be everywhere, I want to fuck everyone in the world, I want to do something that matters.” Diese Zeilen aus „I Do Not Want This“ sind so ungefähr die zentrale Aussage des zweiten NIN-Albums, d.h., es gibt keine - außer daß sich Überheblichkeit und lustig blödes Klotzen letztendlich doch auszahlen. Zumindest für NIN-Kopf Trent Reznor, den pop-orientierten Märchenerzähler des EBM-Metals. Tatsächlich glaube ich Reznor kein einziges Wort von dem großspurigen Geblubber, das er auf „The Downward Spiral“ abläßt.

Aber unterhaltsam ist es schon. Reznor ist ein subtiler Meister des Minimalismus ‚siehe z.B. „Piggy“: “Hey pig, yeah you, hey pig piggy pig pig pig, all of my fears came true”. Auch seine brandharmlosen ketzerischen Mitsing-Slogans zwischen Salman Rushdie, Jello Biafra und Bud Spencer sind nicht von guten Eltern: “Your god is dead and no one cares, if there is a hell I will see you there”. Und die Musik? Tja, nix weltbewegend Neues. Eine unglaublich tolle, berechnende Lollapalloza-Pampe aus oberflächlicher Designer-Rebellion, neuer wüster A-Rock-Radiotauglichkeit, ohrenzerfetzenden, rasiermesserscharfen Noiseausbrüchen und dudeligem Klingklang-Singsang.

Zugegeben, ich liebe diesen fantastisch bombastisch peitschenden Schwachsinn. Da NIN ähnlich wie die geistesverwandten Mitmalmer Ministry in den Staaten sowieso schon seit Jahren hunderttausende von Einheiten umsetzen und der neue Cyber-Crunch-Kram sowieso nach publikumswirksamen, post- apokalyptischen Schokoladensyrupvideos schreit, brauche ich mir um die Zukunft des im Sharon-Tate Unglückshaus residierenden XTC Fan und Mondo-2000-Liebling Reznor sowieso keine Sorgen zu machen. Um Reznor das eigene

Wort im Mund umzudrehen: NIN werden größer und niemand scherts.

MARK SIKORA

oben