NINE INCH
NAILS
The
Downward Spiral
BMG Ariola
“I want to know everything, I want to be
everywhere, I want to fuck everyone in the world, I want to do something that
matters.” Diese Zeilen aus „I Do Not Want This“ sind so ungefähr die
zentrale Aussage des zweiten NIN-Albums, d.h., es gibt keine - außer daß sich
Überheblichkeit und lustig blödes Klotzen letztendlich doch auszahlen. Zumindest
für NIN-Kopf Trent Reznor, den pop-orientierten Märchenerzähler des EBM-Metals.
Tatsächlich glaube ich Reznor kein einziges Wort von dem großspurigen
Geblubber, das er auf „The Downward Spiral“ abläßt.
Aber unterhaltsam ist es schon. Reznor ist ein subtiler Meister des
Minimalismus ‚siehe z.B. „Piggy“: “Hey pig, yeah you, hey pig piggy pig pig
pig, all of my fears came true”. Auch seine brandharmlosen ketzerischen
Mitsing-Slogans zwischen Salman Rushdie, Jello Biafra und Bud Spencer sind
nicht von guten Eltern: “Your god is dead and no one cares, if there is a hell I
will see you there”. Und die Musik? Tja, nix weltbewegend Neues. Eine
unglaublich tolle, berechnende Lollapalloza-Pampe aus oberflächlicher
Designer-Rebellion, neuer wüster A-Rock-Radiotauglichkeit, ohrenzerfetzenden, rasiermesserscharfen
Noiseausbrüchen und dudeligem Klingklang-Singsang.
Zugegeben, ich liebe diesen fantastisch
bombastisch peitschenden Schwachsinn. Da NIN ähnlich wie die geistesverwandten
Mitmalmer Ministry in den Staaten sowieso schon seit Jahren hunderttausende von
Einheiten umsetzen und der neue Cyber-Crunch-Kram sowieso nach
publikumswirksamen, post- apokalyptischen Schokoladensyrupvideos schreit,
brauche ich mir um die Zukunft des im Sharon-Tate Unglückshaus residierenden
XTC Fan und Mondo-2000-Liebling Reznor sowieso keine Sorgen zu machen. Um
Reznor das eigene
Wort im Mund umzudrehen: NIN
werden größer und niemand scherts.
MARK SIKORA
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