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The Fragile

 

 

 

 

 

Humanist.de

 

11. Oktober 1999

 

 

 

Autor: nicht angegeben

 

 

Quelle: http://www.humanist.de/kultur/index-2.html

11. Oktober 1999

Kultur: Neuer Musiktipp: Nine Inch Nails / The Fragile

Trent Reznor ist Nine Inch Nails. Für seine Fans ist er einfach nur Gott, für viele Kritiker und Musikerkollegen ist er der wichtigste Musiker der 90er Jahre. Für den Rest der Welt ist Trent Reznor ein völlig durchgeknallter Psychopath, dem absolut nichts heilig ist. Nicht nur Amerikas Sittenwächter hatten mit dem Mann mit der Vorliebe für provokante Videos und Texte in der Vegangenheit arge Probleme, sondern auch MTV weigerte sich einige Videos von Nine Inch Nails zu zeigen. Ein halbes Jahrzehnt hat uns der zweifache Grammygewinner nun auf ein neues Album warten lassen, doch das Warten hat sich mehr als gelohnt. Reznor schafft das eigentlich Unmögliche: Er wird den hohen Erwartungen tatsächlich gerecht und liefert mit The Fragile den musikalischen Wegweiser ins neue Millenium ab. Mir fällt es schwer das Gehörte in Worte zu fassen. The Fragile ist ein Doppelalbum, das die Rockmusik in völlig neue Dimensionen führt. Reznor schafft es für die Rockmusik untypische Instrumente wie Cello, Mandoline und Kontrabaß mit harten Gitarren und elektronischen Sounds zu verbinden und wird so zum Schöpfer seines eigenen musikalischen Genres. Die Spannweite der Songs reicht dabei von wunderschönen Balladen bis zu wütenden Industrialattacken, wie wir sie vom Vorgängeralbum The Downward Spiral her kennen. Auch auf lyrischer Ebene betritt Reznor Neuland. Waren die Vorgängeralben noch geprägt von rüden und agressiven Ausdrucksformen, so finden wir nun durchaus auch romantische Texte. Eine Passage aus dem potentiellen Hit The Fragile:

 

she shines

in a world full of ugliness

she matters

when everything is meaningless

fragile

she doesn´t see her beauty

 

Auf dem Vorgängeralbum The Downward Spiral hieß das noch: i wanna fuck you like an animal! Wenn das Thema aber auf seinen ehemaligen Protege Marylin Manson zu sprechen kommt, dann findet Reznor zur bekannten Ausdrucksweise zurück. Dank dem Manson gewidmeten Lied Starfuckers Inc. prangert auch auf diesem Album dieses lächerliche Warnschild für fromme Eltern - Explicit Lyrics. Das sollte aber niemand davon abhalten sich dieses grandiose Album in das CD Regal zu stellen. Ein Album, das so gar nicht in unsere Zeit passen will, aber dennoch - oder gerade deswegen - Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts belegte. Nine Inch Nails vor den Backstreet Boys! Ein in Deutschland undenkbares Szenario. Ein wirklich außergewöhnlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass die Charts sonst eher von banalen Weichspülsounds, hirnlosem Techno und rappenden Recyclern beherrscht wird (Besonders in Deutschland!). Mögen die Diether Bohlens, die Blümchens und die Puff Daddys dieser Welt angesichts dieser Platte vor Ehrfurcht erstarren und - nie wieder - in die Öffentlichkeit treten. (F.W.)

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