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Die CD des Monats
Nine Inch
Nails
The Fragile
Text: Christian Fuchs
Fotos: Universal/Motor
Die NIN-Story
Nine Inch Nails, ein
Erfolgsphänomen, geboren in der tiefsten Provinzhölle, irgendwo in
Pennsylvania: „Ich habe festgestellt, dass irgendwo im letzten Nest mehr
bizarre Leute leben als inmitten von New York“, sagt Trent. „Wenn man irgendwo
isoliert lebt, ohne Kontakt nach draußen, stagniert man entweder wie alle
anderen, oder man will diesem Schicksal entfliehen“. Reznor, der isolierte
Freak vom Schulhof, flüchtet aus dem Provinzkaff, bricht einen Job als
Computerprogrammierer ab und nimmt erste Demos auf. Musik, gespeist aus Ängsten
und Second Hand-Fantasien. Einem Indievertrag folgt ein erstes Album - „Pretty
Hate Machine‘. Aggressiver Synthiepop mit allzu glatten Oberflächen, Nächste
Station: das Minialbum „Broken‘. Der klinische Elektropop bekommt tiefsitzende
Schrammen in Form von rostigen Gitarren verpasst. „Plötzlich fand ich mich aber
in ein Eck gedrängt“, sagt Mr. Nine Inch Nails. „ Ich hatte nie die Ambition,
in der härtesten, gemeinsten, verzerrtesten Band der Welt zu sein. Also begann
ich bei ’The Downward Spiral‘ wieder mehr mit Computern zu arbeiten, Ich wollte
etwas schaffen, das in 10 verschiedene Richtungen geht und doch zusammenpasst.
Ich wollte Spannung durch Zurückhaltung ,statt durch Lautstärke und Aggression
erzeugen“. Mit „The Fragile“ schließen HIN nahtlos an diese Ambition an.
Wer steckt hinter NIN?
Trent Reznor betreibt seit Anfang
der 90er seine Band als diktatorische Ein-Mann Unternehmung. Ein Genie, das
Elektronik, metallische Gitarren und Ohrwurm-Melodien einzigartig verknüpft,
sagen die Fans. Ein in Bombast und theatralische Inszenierungen verliebter
Peter Gabriel des Industrial-Rock, nörgeln Kritiker. Die Wahrheit liegt wohl
irgendwo dazwischen. Tatsache ist: Mit „The Fragile“ hat Reznor knapp vor der
Millenniumswende noch ein monumentales Konzeptwerk geschaffen. Dass letzte
Aufzucken der sterbenden Rockmusik?
Ihre Einflüsse
Neben den gewohnten Nine Inch
Nails-Qualitäten — messerscharfer Industrial-Rock meets melancholische Vocals —
hört man auf „The Fragile“ auch, dass sich Mr. Reznor intensiv mit elektronischer
Musik auseinandergesetzt hat. Heftige Drum & Bass-Fetzen, Hip Hop-Fragmente
und Ambient ä la Aphex Twin verschmelzen zu gänsehauterregenden Klangskulpturen.
Reznors Motto
„Ich habe einfach Angst vor Menschen, also vermeide ich
Kontakt mit ihnen."
Die Botschaft
„Die meiste Musik da draußen ist
im Moment sehr langweilige“, sagt Reznor „Der Geist des Rock ‚n’ Roll ist tot,
alles ist schön verpackt und leblos und wird via MTV ins Haus gebracht. Wen der
Gott von MTV, wer auch immer das ist, sagt: du bist das nächste große Ding,
dann bist du das nächste große Ding. Fuck it.“
Der Sound von The Fragile
Das wohl ambitionierteste Nine
Inch Nails-Album lebt von einem schönen Widerspruch: einerseits kriechen an
allen Ecken und Enden Harmonien und Melodien heraus, andererseits liegt ein
ununterbrochener Schleier aus Noise und Geräuschen darüber. Der die
Hitqualitäten sabotiert.
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