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The Fragile

 

Danke, Nils!

 

 

IQ

 

Oktober 1999

 

 

 

Autor: Christian Fuchs

 

 

Die CD des Monats

 

Nine Inch Nails

The Fragile

 

Text: Christian Fuchs

Fotos: Universal/Motor

 

Die NIN-Story

Nine Inch Nails, ein Erfolgsphänomen, geboren in der tiefsten Provinzhölle, irgendwo in Pennsylvania: „Ich habe festgestellt, dass irgendwo im letzten Nest mehr bizarre Leute leben als inmitten von New York“, sagt Trent. „Wenn man irgendwo isoliert lebt, ohne Kontakt nach draußen, stagniert man entweder wie alle anderen, oder man will diesem Schicksal entfliehen“. Reznor, der isolierte Freak vom Schulhof, flüchtet aus dem Provinzkaff, bricht einen Job als Computerprogrammierer ab und nimmt erste Demos auf. Musik, gespeist aus Ängsten und Second Hand-Fantasien. Einem Indievertrag folgt ein erstes Album - „Pretty Hate Machine‘. Aggressiver Synthiepop mit allzu glatten Oberflächen, Nächste Station: das Minialbum „Broken‘. Der klinische Elektropop bekommt tiefsitzende Schrammen in Form von rostigen Gitarren verpasst. „Plötzlich fand ich mich aber in ein Eck gedrängt“, sagt Mr. Nine Inch Nails. „ Ich hatte nie die Ambition, in der härtesten, gemeinsten, verzerrtesten Band der Welt zu sein. Also begann ich bei ’The Downward Spiral‘ wieder mehr mit Computern zu arbeiten, Ich wollte etwas schaffen, das in 10 verschiedene Richtungen geht und doch zusammenpasst. Ich wollte Spannung durch Zurückhaltung ,statt durch Lautstärke und Aggression erzeugen“. Mit „The Fragile“ schließen HIN nahtlos an diese Ambition an.

Wer steckt hinter NIN?

Trent Reznor betreibt seit Anfang der 90er seine Band als diktatorische Ein-Mann Unternehmung. Ein Genie, das Elektronik, metallische Gitarren und Ohrwurm-Melodien einzigartig verknüpft, sagen die Fans. Ein in Bombast und theatralische Inszenierungen verliebter Peter Gabriel des Industrial-Rock, nörgeln Kritiker. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Tatsache ist: Mit „The Fragile“ hat Reznor knapp vor der Millenniumswende noch ein monumentales Konzeptwerk geschaffen. Dass letzte Aufzucken der sterbenden Rockmusik?

Ihre Einflüsse

Neben den gewohnten Nine Inch Nails-Qualitäten — messerscharfer Industrial-Rock meets melancholische Vocals — hört man auf „The Fragile“ auch, dass sich Mr. Reznor intensiv mit elektronischer Musik auseinandergesetzt hat. Heftige Drum & Bass-Fetzen, Hip Hop-Fragmente und Ambient ä la Aphex Twin verschmelzen zu gänsehauterregenden  Klangskulpturen.

Reznors Motto

„Ich habe einfach Angst vor Menschen, also vermeide ich Kontakt mit ihnen."

Die Botschaft

„Die meiste Musik da draußen ist im Moment sehr langweilige“, sagt Reznor „Der Geist des Rock ‚n’ Roll ist tot, alles ist schön verpackt und leblos und wird via MTV ins Haus gebracht. Wen der Gott von MTV, wer auch immer das ist, sagt: du bist das nächste große Ding, dann bist du das nächste große Ding. Fuck it.“

Der Sound von The Fragile

Das wohl ambitionierteste Nine Inch Nails-Album lebt von einem schönen Widerspruch: einerseits kriechen an allen Ecken und Enden Harmonien und Melodien heraus, andererseits liegt ein ununterbrochener Schleier aus Noise und Geräuschen darüber. Der die Hitqualitäten sabotiert.

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