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Nine Inch Nails
The Fragile
((Nothing / Motor / UV)) [29.11.99]
Viel Lärm im Vorfeld, Gerede, Gerüchte, der Künstler
verkrallt in sein Inneres, das neue Werk unter unmenschlichen Schmerzen einsam
hervorblutend und all das, wer hat es nicht gelesen, erfahren, davon gehört.
Viel Lärm eben. Um nichts? Das Ergebnis ist, kurz gesagt, beeindruckend. Gut
genug allemal, daß auch Menschen wie ich, die sich bisher gern über Trent Reznor
als grotesk überschätzten Kitschbaron lustig machten, sein musikalisches Talent
als offenbar doch nicht unerheblich anerkennen müssen. Reznor ist es gelungen,
seine musikalische Vision durch Streuung über die Länge von 2 CDs tatsächlich
atmen zu machen, Konturen nachvollziehbarer, klarer zu gestalten, um deutlich
mehr Tiefe zu erreichen als bisher. Erstickte der Vorgänger, „The Downward
Spiral' – wie auch immer man dazu steht – unter einem unselig unselektierten
Brei von Ideen, ist „The Fragile' das genaue Gegenteil davon: eine kraftvolle
wie in der Tat zerbrechliche, weniger detailverliebte als detailbewußte Arbeit
zwischen Ministry-Gebretter, schnalzenden Maschinen-Beats, verzinkten
Weltmusikalien und finsteren Hörszenarien, die nicht zuletzt von der Hilfe
exzellenter, erfahrener Helfer Leute (neben Danny Lohner, Gitarrist und
gelegentlicher co-Autor, u.a. King Crimson-Gitarrist Adrian Belew, Bowies
langjähriger Pianist Mike Garson, Geiger Steve Duda, Dr Dre als co-Mixer)
profitiert. Hätte Trent noch an seiner auf weißes Schreien und leises Leiden
(mit ein bißchen Crescendo dazwischen) limitierten stimmlichen Ausdruckskraft
arbeiten, um etwas öfter etwas mehr von den stark fragmentarischen Texten
nachklingen zu lassen als den Eindruck von Selbstmitleid – kaum auszudenken.
„The Fragile' ist tiefer, weiß gekachelter Underground, Batmans Joker als
griechisches Drama, eine monströse Industrial-Oper. Pink Floyd!