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NINE INCH
NAILS
The Fragile
Motor/Universal
Fünf Jahre mussten wir warten, jetzt
ist es endlich da.,, The Fragile‘ das dritte reguläre Album von Nine Inch
Nails, und was soll ich sagen: es ist überwältigend - in jeder Form! Zwei CDs,
23 Songs und jede Sekunde trägt definitiv die Handschrift von Trent Reznor. Im Nachhinein
scheint dieses Album fast die einzig logische Weiterentwicklung zu ,, The
Downward 5piraI‘ Soundparallelen jedenfalls gibt es genug. Schon der wahnsinnige
Opener ,,Somewhat Damaged“ vereinigt viel Vertrautes in extremerer Form:
abgefahrene Rhythmen, kranke Sounds und nicht zuletzt Reznors morbide Texte,
die sich durch das gesamte Werk ziehen. Eigentlich müsste man zu jedem
einzelnen Kapitel von „The Fragile“ einen zweiseitigen Aufsatz schreiben
lassen, mir bleiben 1.800 Zeichen, um einen kleinen Einblick zugeben in das
Gesamtkunst werk. Schwächen gibt es nicht, ein Stück herauszureißen heißt den
Kontext zu zerstören. ‘Reguläre‘ Songs werden verknüpft mit ausgeklügelten Instrumentals,
die etwa ein Drittel des Albums ausmachen. Drum‘n‘Bass-Einflüsseä la ,,ThePerfectDrug“
vom ,,Lost Highway“-Soundtrack finden sich lediglich im mitreißenden
„Starfuckers Inc.“ wieder, das zusammen mit,, We’re In This Together‘ dem
bombastischen Titeltrack und „Into The Void“zu den wenigen Singleanwärtern
gehört. Ansonsten finden gängige Strukturen nur dann statt, wenn Reznors
Emotionen es erlauben. Selten habe ich so atmosphärische Dichte erlebt wie bei „Even
Deeper“oder der Ballade ,,The Great Below“- selten so ausgefeilte Klang- und
Harmoniearrangements wie bei „I‘m Looking Forward Joining You, Finally“ oder
„The Big Come Down‘. Um ehrlich zu sein, das letzte Mal bei „ The Downward
Spiral“. Ja, hier spricht ein Fan, und da Liebe bekanntlich blind macht, ordnet
meine Lobeshymne bitte in diesen Kontext ein. Wer sich aber einen Gefallen tun
will, nimmt ein Wochenende frei und lässt „The Fragile“ auf sich wirken. Ein
derartig intensives Stück Musik gab es schon lange nicht mehr. Meisterwerk.
Jochen Schliemann
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