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The Fragile

 

 

 

Zillo

 

November 1999

 

 

Autor: Carsten Wohlfeld

 

 

Album des Monats

Nine Inch Nails

The Fragile

Nothing/Motor Music/Universal

Selbst wenn Trent Reznor auf diesem Album alte indianische Volkslieder neu interpretiert hätte, wäre die Platte wohl trotzdem in den meisten Magazinen zum Album des Monats gekürt worden. Ganz einfach, weil wir lange, seeeeehr lange darauf warten mussten. Unglaubliche fünf Jahre ist es her, seitdem „The Downward Spiral“ erschienen ist, das Album also, das mit einem Schlag das gesamte Genre Industrial auf den Kopf stellte.

Aber seitdem ist viel passiert, nicht zuletzt wegen der Nine Inch Nails feierten Industrial  und Gothic besonders in den Staaten ein großes Comeback und Marilyn Manson schwang sich auf den Thron, auf dem einst Reznor zu finden war. Doch wird die Nine Inch Nails inzwischen abgeschrieben hatte, wird sich nun ganz schön wundern, denn Trent Reznor ist ZURÜCK.

In seiner amerikanischen Heimat konnte er mit „The Fragile“ schon seinen ersten Nummer-1-Erfolg überhaupt feiner. Allein in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung gingen fast eine Viertelmillion (!) Scheiben über den Ladentisch. Einige Kritiker haben dieses Album schon vorab als Reznors Version von Pink Floyds Weltraum Oper „The Wall“ bezeichnet und was auf dem Papier vielleicht seltsam aussieht, kann man nach dem Hören von „The Fragile“ durchaus nachvollziehen. Und nicht nur, weil der ehemalige Floyd-Prodcuer Bob Ezrin hier ebenfalls mitmischt. Knapp zwei Dutzend Stücke hat Reznor auf dieses Doppel-Album gepackt, Stücke, die seine verzweifelte Beziehungslosigkeit im Studio in gnadenlose musikalische Halluzinationen verwandelt haben. Dröhnende Gitarrenriffs, kreischende Synthis und niederwalzende Computerdrums – wer nach diesen zwei Stunden immer noch behauptet, er wisse nicht, wies in Reznors Seele aussieht, ist entweder taub oder hat rein gar nichts verstanden. Was nicht heißt, dass Reznor sich ständig hinter einem Soundwall versteckt. Aber selbst bei den poetischen Momenten wie der Ballade „La Mer“ liegt trotzdem noch eine hochexplosive Spannung in der Luft. Auch wenn Reznor manchmal ein bisschen zu sehr in den Prog-Rock-Bereich abdriftet – bei einem so langen Album kaum ein Wunder – gibt es doch für jede minimale Enttäuschung wieder einen Höhepunkt wie das Sieben-Minütige-Epos „We’re In This Together“. Und die Nine-Inch-Nails-eigene Art von Humor bzw. Sarkasmus wird bei „Starfuckers Inc.“ Unter Beweis gestellt. Ein Song, der weder Marilyn Manson noch dessen Freundin Rose McGowan übermäßig amüsieren dürfte.

Korn? Limp Bizkit? Marilyn Manson? Ab sofort brauchen wir (wieder) nur noch die Nine Inch Nails.

Carsten Wohlfeld

 

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