Special Tip
Nine Inch Nails
Further Down The
Spiral
Mercury
Auf THE DOWNWARD SPIRAL (1994)
präzisierte Trent Reznor wie kaum jemand vor ihm in der Rockmusik seine
Vorstellung von den dunklen Seiten des Lebens. Mit großem Erfolg: Seine
musikalischen Visionen von bizarrem Sex, religiösen Irritationen, Gewalt und
schier grenzloser Verzweiflung trafen voll den Nerv der amerikanischen
Jugendlichen, die den grüblerischen Schönen daraufhin euphorisch zum
Everybody’s Darling’ erhoben.
Mit traumwandlerischer Sicherheit
bewegt sich Reznor zwischen krassen Formulierungen auf der einen und einer
beispiellosen Subtilität auf der anderen Seite; eine Gratwanderung, in der sich
die Extreme des Alltags oft gnadenlos wiederspiegeln. Wenn er beispielsweise in
´Closer’ die berühmt gewordene Textzeile ´I want to fuck you like an animal’
singt, hat das weniger mit dem unbefriedigendem Macho-Gebaren als vielmehr mit
seiner Fähigkeit zu tun, einen tiefen Blick in die verborgenen Seiten des
menschlichen Daseins zu werfen und dabei Dinge ans Tageslicht zu fördern, die
die meisten seiner Zeitgenossen am
liebsten für immer im Schutz der Dunkelheit belassen hätten.
Auf FURTHER DOWN THE SPIRAL nimmt
Reznor nun die Melodien von THE DOWNWARD SPIRAL als Ausgangspunkt, reduziert
sie teilweise bis auf ihr blankgelegtes Gerippe und macht dabei eindrucksvoll
deutlich, dass ihm nichts heilig, keine musikalische Idee so unantastbar
erscheint, als dass man sie nicht zu einem neuen Gebilde ummodellieren könnte.
Mit Hilfe von Studiogrößen wie Rick Rubin, JG Thirwell und Aphex Twin rüttelt
er einmal mehr an musikalischen Barrieren und stößt des öfteren in bislang tabu
geglaubte Gefilde vor. Musikalische Unterstützung erhält er dabei von Red Hot
Chillie Peppers-Gitarrist
Dave Navarro (der dem in einem
völlig neuen Licht erstrahlenden ´Piggy’ granitharte Riffs und bissige Rhythmen
beisteuert) und Coil, unter deren Mitwirkung das etwa siebeneinhalbminütige
´The Downward Spiral (The Bottom)’ zu einem Hexenkessel explosiver
Ingredienzien mutiert. Einfach wunderschön wiederum die Liveversion von ´Hurt’,
in der die Leise, beinahe zerbrechliche Seite Reznors vielleicht am besten zum
Ausdruck kommt.
Oft an der Schmerzgrenze, dann
wieder einfach nur ´schön’, hangelt sich Reznor auf FURTHER DOWN THE SPIRAL
einmal mehr durch sämtliche Extreme musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten und
hinterlässt eine Ahnung davon, wie Musik im anstehenden nächsten Jahrtausend
klingen könnte.
Andrea Nieradzik
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