Nine Inch Nails
Ghosts I-IV
Null Corporation
(110:15)
VÖ: Bereits
erschienen
Seitdem NINE INCH NAILS ohne
Major-Plattenfirmen-Vertrag dastehen, sprüht Bandkopf Trent Reznor vor
Kreativität. Das erste in der neugewonnenen Freiheit entstandene Werk hört auf
den Namen „Ghosts I-VI“ und ist ein innerhalb von nur zehn Wochen eingespieltes
und über Weite Strecken improvisiertes Doppel-Instrumental-Album. Wer nach
klassischen Songstrukturen, eingängigen Hooklines und hitverdächtigen
Singlemelodien sucht, ist hier fehl am Platz. Stattdessen frönt Reznor seiner
Begeisterung für eigenwillige Klangexperimente und kreiert eine 36 Tracks
starke, düstere Industrial-Ambient-Collage, die er selbst als „Soundtrack für
Tagträume“ beschreibt. Aggression und wütende Texte fehlen auf „Ghosts I-IV“.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Epos gelegentlich langatmig
rüberkommt. Zwar wühlt sich der Industrial-Maestro wie immer technisch versiert
durch spartanische Elektro-Beats, pulsierende Klangteppiche, gefühlvolle
Pianostücke, krachig-verzerrte Riffs und Percussions, die zum Teil mit
Haushaltsgegenständen erzeugt wurden; doch auch der größte NINE INCH NAILS-Fan
dürfte nach einiger Zeit den mitreißenden Charakter „richtiger“ Songstrukturen
vermissen. Für Sound-Fetischisten, Liebhaber von Nummern wie ‚La Mer‘, ‘The Mark
Has Been Made’ oder ‘A Warm Place’ und Fans von Reznors bisherigen
Soundtrack-Arbeiten ist „Ghosts I-IV“ allerdings genau das Richtige.
Conny Schiffbauer
8 Punkte, Daumen hoch
Bei „innerhalb von nur zehn
Wochen eingespielt“ und „über weite Strecken improvisiert“ müssten eigentlich
schon sämtliche Alarmglocken klingeln. Natürlich gibt es Künstler, die aus dem Bauch
heraus grandiose Scheiben aufnehmen können, aber Trent Reznor gehörte noch nie
dazu. „Ghosts I-IV“ klingt trotz diverser interessanter Sound-Collagen seelen-
und belanglos, mordsmäßig langweilig und - um mal etwas konkreter zu werden -
wie ein Album, bei dem man fast durchgehend Vocals vermisst. Vielleicht sollte
jemand Herrn Reznor mal stecken, dass zu einem guten Instrumentalalbum mehr gehört,
als einfach nur halbfertige Gerüste herkömmlicher Songs aufzunehmen und den
Gesang wegzulassen...
Michael Rensen
6 Punkte, Daumen runter
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