Sechs Jahre nach seinem letzten Album "The Fragile" gibt
Trent Reznor, Kopf und Stimme hinter Nine Inch Nails, mit "With Teeth" ein neues
Lebenszeichen von sich. 14 Titel, die erneut beweisen, warum Nine Inch Nails
eine der populärsten Vertreter in Sachen Industrial-Sound sind.
Mit dem Vorgängeralbum "The Fragile" hatte Trent Reznor, nach
Nummer Eins Platzierungen in Amerika, die Messlatte recht hoch gehängt. Dass er
durch diesen Erfolg sich selbst in eine Schreibblockade treiben würde, konnte er
wohl selbst nicht ahnen. Vielleicht trieb ihn aber gerade dieser Umstand wieder
mehr zu seinen Wurzeln.
"With Teeth" steht zwar nach wie vor ganz im Zeichen des
harten Industrial-Sounds, klingt aber weitestgehend minimalistisch und
verzichtet auf viele synthetische Soundspielereien wie man sie von "The Fragile"
kennt. Vielmehr stehen hier Stimme und klassische, aber durchaus kalt klingende
Rhythmen im Vordergrund, geprägt von extremen emotionalen Wechseln. Ein Element,
dass den Sound von Nine Inch Nails schon seit Jahren bestimmt.
Diese Band wäre aber nicht so kultig, wenn sich auf "With
Teeth" nicht erneut jede Menge Überraschungen offenbarten, die Nine Inch Nails
bis heute so einzigartig machen. "All The Love In The World" heißt den Zuhörer
mit dünnem Beat und einer zerbrechlichen Stimme willkommen - man will schon
enttäuscht zum nächsten Song schalten, doch da ertönt diese Gesangslinie, die
Trent Reznor immer wieder als Meister der Hooklines offenbart. Im nächsten
Moment findet man sich inmitten eines hymnischen Refrains wieder, der sich immer
weiter erhebt und fast soulige Züge annimmt.
Wer an dieser Stelle denkt, Nine Inch Nails wären jetzt weich
geworden, erhält mit "You Know What You Are" direkt einen brachialen und
schnellen Schlag in den Gehörgang. Ein Trent Reznor vergisst eben nie wie es
geht. Natürlich finden sich mit der Singleauskopplung "The Hand That Feeds" und
"Every Day Is Exactly The Same" absolut hitverdächtige Popperlen mit eingängigen
Gesangslinien und Melodien, die sofort hängen bleiben. Trotzdem hat es Trent
Reznor mit diesem Album wieder einmal geschafft, sich neu zu definieren.
Dies liegt zum einen an der intelligenten Art, mit der er
sich Rhythmen zu eigen macht, ihnen Raum und ein scheinbares Eigenleben gibt.
Darin verwoben erklingt dieser facettenreiche Gesang, den er immer wieder
gekonnt zwischen zerbrechlicher Kopfstimme, popig bis kranker Sanftmut und
exzessivem Geschrei wandern lässt. Dass sich auf "With Teeth" in diesem
Minimalismus außerdem immer wieder kleine synthetische Soundspielereien finden,
wird auch die letzten Skeptiker begeistern. Gerade das ständig Unerwartete macht
Trent Reznor zu dem Genie und Nine Inch Nails zu einer Band, die die Welt
musikalisch wohl noch lange in Atem halten wird.