Nine Inch Nails - With Teeth
Fünfeinhalb Jahre sind eine Lange Zeit. Da ist viel Platz für Veränderung
und Entwicklung. Genauso viel Zeit liegt zwischen der letzten NIN-Platte ‚The
Fragile" und dem neuen Werk "With Teeth". Und Veränderung und Entwicklung sind
so deutlich erfahrbar wie nie zuvor bei den NINE INCH NAILS. " The Fragile" und
"With Teeth könnten vom Ansatz her nicht unterschiedlicher sein. Wo ‚The Fragile
mit komplexen Texturen aufwartete, lässt "With Teeth" die klanglichen Hosen
runter. Und wo ‚The Fraglie" vor Ambitionen nur so übersprudelte, kommt "With
Teeth" mit einer Direktheit daher, die man schon Rock nennen will. ‚An open
minimalistic approach' oder ‚the old JESUS AND MARY CHAIN meets BAUHAUS meets im
JOY DIVISION hatte Trent Reznor vor gut drei Jahren angekündigt, als er das
erste Mal über neue Songs sprach. Und er hat Wort gehalten. Das Soundgewand ist
reduzierter, direkter und rauer als gewohnt, aber dennoch hört man sofort, um
welche Band es sich handelt. Die Qualität der Stücke hat darunter in keinster
Weise gelitten, sondern eher stark davon profitiert. Es gibt ungewöhnliche
Wendungen und Melodien, die man so süß nicht erwartet hätte. Der Mut den Reznor
damit beweist, steht den NIN mehr als nur gut. Aber wer jetzt denkt, dass NIN
sich in Richtung Pop verabschiedet haben, irrt, denn es wird auch wütend
gebrüllt wie ekstatisch gestampft, und auch die in den Mantel der Depression
gehüllte, vertonte Melancholie kommt nicht zu kurz. Nur gibt es jetzt Hoffnung.
Geläutert und gewachsen ist Trent Reznor in den letzten fünfeinhalb Jahren, und
das verlangte nach einem neuen Soundtrack. Dieser ist ‚With Teeth' durchaus, und
ein sehr eindrucksvoller dazu. Damit wird einmal mehr deutlich, dass NIN kein
Kunstprodukt sind wie der ehemalige Zauberlehrling MARILYN MANSON, sondern hier
die Inspiration direkt aus der Seele kommt. So geht das.
Norbert Specht