WITH TEETH -NINE INCH NAILS
Sechs Jahre und vergangen, seit
Nine Inch Nails mit „The Fragile“ das letzte offizielle Studioalbum veröffentlichten.
“With Teeth“ ist, um das vorwegzunehmen, das Oeuvre von Trent Reznor.
Neben Engineer Atticus Ross (12
Rounds, Error) standen Reznor auch Rick Rubin als Mentor sowie Jerome Dillon (Fragility V2.0-Tourschlagzeuger)
sowie Dave Grohl an Drummer zur Verfügung. Alle weiteren Instrumente sind von Reznor
selbst eingespielt worden, der gemeinsam mit Alan Moulder (My Bloody Valentine)
auch für den unvergleichlich räumlichen Mix zuständig war. Dave Grohls Schlagzeugspiel
ist gewohnt gnadenlos, folgt zuweilen den von Reznor programmierten Beats und
stellt — ob des erstmalig auf einem Album eingesetzten Live-Schlagzeugs — die
wohl ohrenkundigste Neuerung im Soundgewand von Nine Inch Nails dar.
Nach dem ruhig beginnenden und in
einem Soulfeuerwerk endenden Opener „All The Love In The World“ wird allerdings
gleich mit dem zweiten Song „You Know What You Are?“ klargestellt, dass der mittlerweile
39-Jährige noch nichts von seiner zuweilen deprimierenden Gemütslage eingebüßt
hat. Die erste Single, „The Hand That Feeds“, spielt sich auch für Nine Inch Nails-Verhältnisse
bislang ungewohnt eingängigem Terrain ab: ein Mid-Tempo-Monolith. Mit „Getting
Smaller“ zeigt Reznor dann auch allen Retro-Rock-Idioten, wie man Vergangenes zitieren
und zugleich auf eine neue Stufe heben kann. Es scheppert und feedbackt und
kracht an allen Ecken und Enden. Daraus erhebt sich ein gnadenloser Song, sowohl
textlich als auch musikalisch eine Ohrfeige. Daneben stehen die ruhigen Momente
des Albums, die sowohl song- als auch
produktionstechnisch punktuell nicht präziser sein könnten. Das epische „Every
Day Is Exactly The Same” ist so schön, dass es weh tut. Der letzte Song des Albums,
„Right Where lt Belongs“, versöhnt und verstört zugleich.
„With Teeth“ ist zudem funky wie
sonst kaum etwas und funktioniert nicht nur Song für Song, sondern auch als
zusammenhängendes Werk. Trent Reznor hat wieder einmal überhaupt nicht
enttäuscht und die Messlatte, welche die meisten seiner Nachahmer bisher sowie
nur von unten bzw. von ganz weit unten gesehen haben, einmal mehr höher
gehängt.
Jens Nave
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