Und täglich grüßt der
Weltuntergang
Wenn man so will, basiert ja die
komplette Karriere des 41 Jahre alten Michael Trent Reznor auf der Verkündigung
des bald bevorstehenden Weltendes .„The Downward Spiral“ hieß das Album aus dem
Jahr 1994, fünf Jahre später kam eine Single namens „The Day The World Went
Away“, das darauf folgende Remixalbum trug den Titel „ Falling Apart“. Nun aber
glaubt Reznor wie der einmal, dass bald Feierabend ist. „Ich gebe der Welt noch
15 Jahre“, spendete er in einem Statement auf seiner Internetseite immerhin ein
wenig Trost, „die Dinge stehen wirklich sehr schlecht. Die Welt ist mit all
ihrer Gier und all ihrem Machtmissbrauch am Wendepunkt angelangt politisch, spirituell
und ökologisch sehe ich jedenfalls schwarz.“
Die Musik zu dieser düsteren
Prophezeiung liefert der Fürst der Finsternis auf seinem jüngsten Werk gleich
selbst. „Year Zero“ heißt der unmittelbare Nachfolger des vor zwei Jahren erschienenen
„With Teeth“, laut Reznor ist es das erste von zwei Alben, die sich konkret mit
dem anstehenden Untergang befassen, Teil zwei soll im nächsten Jahr rauskommen,
ein Film zum Thema ist angeblich auch in Planung. Bei so viel Drumrumtheater
sollte man „Year Zero“ trotzdem mal zwei aufmerksame Ohren zur Verfügung
stellen, denn hervorragend gemacht ist sie natürlich wieder, die neue Nine Inch
Nails-Platte. Sicherlich halten sich 17 Jahre nach dem wegweisenden und sehr
stilprägenden Debüt „Pretty Hate Machine“ und den kommerziell für Trent
goldenen 90er Jahren die ganz großen Neuerungen in Grenzen. Immer noch gibt es
brachial dynamischen und harten Industrial wie etwa in „Capitol G“ und
soundspielerische epische Collagen wie „Meet Your Master“. Aber unverkennbar
ist Reznor, der Nine Inch Nails traditionell im Alleingang leitet, auch ein
wenig milder und melodischer geworden über die Jahre. Vielleicht überlegt er
sich das ja sogar mit Armageddon noch mal.
Text: sr (=Steffen Rüth)
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