NINE INCH NAILS / A PERFECT CIRCLE
21.04.00 - Chicago, UIC Pavilion, ca. 9.500 Besucher
(ausverkauft)
Schon zum Beginn der Vorband um Punkt acht sind fast alle
Zuschauer anwesend und starren während des leicht orientalischen Intros gebannt
auf die Bühne, wo bisher nur ein großes, mit Glow-in-the-dark-Symbolen
geschmücktes Backdrop zu sehen ist. Als dann schließlich APC-Gitarrist und
Hauptsongwriter Billy Howerdel, die bezaubernde Bassistin Paz Lenchantin,
Gitarrist Troy Van Leeuwen, Drum-Legende Josh Freese und Sänger Maynard Keenan
(im Anzug und mit Langhaarperücke) die Bühne betreten und das Konzert wie das
Album mit The Hole eröffnen, ist der Jubel groß. Die durchweg schwarz gekleidete
Band beschränkt sich ganz auf die Musik, außer einem kurzen 'Hi!' gibt es keine
Ansagen, Maynard hat eine Hand am Mikro, in der anderen hält er eine
Wasserflasche. Am meisten Show machen noch Josh und Paz. Der Sound ist -
besonders für so eine große Halle - vom Allerfeinsten, und die Songs natürlich
auch. Als drittes gibt es das ruhigere,, Orestes" zu hören, und schon jetzt
beeindruckt es, wie gut diese neue Band aufeinander eingespielt ist. In der
Mitte des Sets entledigt sich Maynard seiner Oberbekleidung, und gegen Ende des
zweiten Drittels der dreiviertelstündigen Show, bei der selbstredend das gesamte
Album "Mer De Noms" präsentiert wird, lässt er sich sogar zu einer Ansage
bezüglich des Veröffentlichungstermins hinreißen.
Nine lnch Nails fahren showmäßig ein anderes Kaliber, auf
zwei Leinwandsäulen wird ununterbrochen ein psychedelischer Psycho-Trip
projiziert, zudem liefern Trent Reznor und seine Band eine solide, aggressive
Rock-Show ab. "We're ln This Together" fehlt leider, ansonsten gibt es alle
Highlights aus zwölf Jahren spektakulären Schaffens. Und der wie Maynard sehr
wortkarge Trent ist scheinbar gut drauf: Es gibt drei fette Zugaben, als letztes
eine ultralange Version von "Starfuckers" sowie den Klassiker "Hart", der auf
sehr angenehme Weise schmerzt.
Dirk Siepe |