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Visions

 

Juni 2000

 

Große Bands mit Gegenwart und Zukunft

 

Autor: Dirk Siepe

 

 

NINE INCH NAILS / A PERFECT CIRCLE

21.04.00 - Chicago, UIC Pavilion, ca. 9.500 Besucher (ausverkauft)

 

Schon zum Beginn der Vorband um Punkt acht sind fast alle Zuschauer anwesend und starren während des leicht orientalischen Intros gebannt auf die Bühne, wo bisher nur ein großes, mit Glow-in-the-dark-Symbolen geschmücktes Backdrop zu sehen ist. Als dann schließlich APC-Gitarrist und Hauptsongwriter Billy Howerdel, die bezaubernde Bassistin Paz Lenchantin, Gitarrist Troy Van Leeuwen, Drum-Legende Josh Freese und Sänger Maynard Keenan (im Anzug und mit Langhaarperücke) die Bühne betreten und das Konzert wie das Album mit The Hole eröffnen, ist der Jubel groß. Die durchweg schwarz gekleidete Band beschränkt sich ganz auf die Musik, außer einem kurzen 'Hi!' gibt es keine Ansagen, Maynard hat eine Hand am Mikro, in der anderen hält er eine Wasserflasche. Am meisten Show machen noch Josh und Paz. Der Sound ist - besonders für so eine große Halle - vom Allerfeinsten, und die Songs natürlich auch. Als drittes gibt es das ruhigere,, Orestes" zu hören, und schon jetzt beeindruckt es, wie gut diese neue Band aufeinander eingespielt ist. In der Mitte des Sets entledigt sich Maynard seiner Oberbekleidung, und gegen Ende des zweiten Drittels der dreiviertelstündigen Show, bei der selbstredend das gesamte Album "Mer De Noms" präsentiert wird, lässt er sich sogar zu einer Ansage bezüglich des Veröffentlichungstermins hinreißen.

 Nine lnch Nails fahren showmäßig ein anderes Kaliber, auf zwei Leinwandsäulen wird ununterbrochen ein psychedelischer Psycho-Trip projiziert, zudem liefern Trent Reznor und seine Band eine solide, aggressive Rock-Show ab. "We're ln This Together" fehlt leider, ansonsten gibt es alle Highlights aus zwölf Jahren spektakulären Schaffens. Und der wie Maynard sehr wortkarge Trent ist scheinbar gut drauf: Es gibt drei fette Zugaben, als letztes eine ultralange Version von "Starfuckers" sowie den Klassiker "Hart", der auf sehr angenehme Weise schmerzt.

 

Dirk Siepe

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