Southside 2005: Nine Inch
Nails
Am Tag 3 um 19 Uhr 45 fand jener Moment statt, den
vermutlich die meisten Festivalbesucherinnen und Besucher schon sehnsüchtigst
erwartet haben. Bei ungewohnter Helligkeit im Licht der Abendsonne betrat Trent
Reznor zusammen mit Jerome Dillon (Drums), Jeordie White (Bass), Aaron North
(Git.) und Alessandro Cortini (Keyboards) die Bühne der Green Stage.
Endlich!
Schüchtern und aggressiv
Ein wenig schüchtern wirkte er, dieser Trent Reznor, der uns
vor kurzem sein neuestes Werk With Teeth bescherte, welches mittlerweile gar
Alternativwastln zu selbsternannten Nine Inch Nails SpezialistInnen mutieren und
es sowieso schon immer wissen lässt, dass die Nine Inch Nails eh schon immer Pop
machten. Soll mir persönlich wurscht sein, denn mit der Eröffnungsnummer "Wish",
die das gar böse Wort "Fistfuck" enthält und bekanntermaßen nicht gerade einer
der NIN-Einlullsongs ist, wird die allgemeine Grundstimmung des 1 Stunde und 20
Minuten andauernden Konzerts klar.
Gitarrenbreitseite Galore, die wie üblich fliegenden
Wasserflaschen sowieso, ein die Zähne fletschender, seinen Musikern auf den
Rücken springender und den Mikroständer durch die Gegend schmeißender Reznor.
Was der Gitarrist übrigens zum Teil abzog, ließ ernsthafte Zweifel am
tatsächlich vollzogenen Anschluss seiner Gitarre aufkommen. Zumindest bei einer
seiner Rumpelstilzchenaktionen entfleuchte gar das Kabel aus selbiger. Egal, man
kennt solcherlei Aktionen bereits von Konzerten der Nine Inch Nails früherer
Jahre, denn der Meister machte sowieso die Hauptarbeit.
Fuck the bridge!
Selbst als der ruhige Part von "Starfuckers" beginnen sollte,
brachte Reznor seine Kapelle mit "Stop! Stop! Stop!...." zur Ruhe, nur um die
verduzten Musiker mit einem harschen "Fuck the bridge!" zum nahtlosen Übergang
in den exzessiven Schluss zu befehligen. Durch Einlagen dieser Art gewann man
beinahe den Eindruck, als wolle man Fans durch einen dermaßen harten und
agrressiven Set mit Songs wie "Sin", "Closer" oder dem eingangs erwähnten "Wish"
beruhigen.
Es wirkte fast so, als möchte Reznor sagen: "Keine Angst,
alles bleibt hart, alles bleibt heavy, ich kann das noch." Dabei wäre das
überhaupt nicht notwendig, denn "With Teeth" ist aggressiver, als es im ersten
Moment scheint. Vielleicht ist dies aller aber auch nur eine Überinterpretation
meinerseits, denn bereits zur Fragile-Tour unterschied sich das Konzert von
jenem Einzelgig in der Librohalle grundsätzlich vom Festivalauftritt in Wiesen
durch das Weglassen der meisten ruhigeren Nummern (Fixpunkt "Hurt" natürlich
ausgenommen).
Keine "With Teeth" Werbetrommel
Die große Werbetrommel für "With Teeth" rührte Reznor bei
seinem Auftritt auf dem Southside Festival nicht, denn davon spielte er gerade
mal "The Hand That Feeds", "The Line Begins To Blur" und "You Know What You
Are". Bei Letzterem bin ich mir im Moment zwar nicht ganz sicher, aber man darf
mich gern im Forum korrigieren. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, wie das am
Dienstag auf dem längst ausverkauften Konzert in der Wiener Arena aussehen
wird.
Die beste "Hurt" Version ever
Insgesamt ist die Rückkehr der Nine Inch Nails Live-Version
ebenso großartig gelungen wie das neue Album. Mein persönliches Highlight war
trotzdem "Hurt", was mich selbst etwas überrascht. Es ist nun wirklich nicht so,
dass ich genau diesen Song zum ersten Mal gehört hätte. Im Gegenteil, hält
dieser sich doch immer noch hartnäckig in der Liste meiner meist gehörten.
Allerdings habe ich ihn noch nie so wie auf dem Southside gehört, als alle
Anwesenden inklusive dem Schreiber dieser Zeilen den Text leise mitsangen. Das
sind Momente, in denen man nasse Augen bekommt und genau solche Augenblicke sind
jene, weshalb ich immer noch gerne solche Konzertebesuche.